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Schülerin berichtet von der Berlinale

So wurde mir also ermöglicht, möglichst viele Filme zu sehen und auch ohne Ticket noch auf den Nacheinlass zu hoffen, um mir trotzdem eigentlich ausverkaufte Filme anzusehen, denn das Motto hierbei lautete: „Irgendwer kommt immer nicht.“


Ähnlich wie auf anderen Veranstaltungen, gab es auch hier immer ein paar Leute, die dann doch verhindert waren. So habe ich es letztendlich geschafft 24 Langfilme und 5 Kurzfilme sehen. Davon durfte ich sogar zwei Weltpremieren und eine Europapremiere der Langfilme erleben. Ich habe viele spannende und interessante Filme gesehen, besonders gut zum Thema Kinderrechte passten Filme wie „Bouyancy“, ein australischer Film über Menschenhandel, oder „Espero tua (re)volta“, eine brasilianische Dokumentation über die Proteste von Schülern. Diese sind überaus interessant für die Kategorie der Kinderrechte auf dem Filmfest Osnabrück, auch durch seinen Ruf als „Friedensstadt“ hat diese Kategorie einen besonderen Wert in Osnabrück, da zum Frieden natürlich auch die, leider zu oft missachteten, Kinderrechte gehören.
Die brasilianische Dokumentation zeigt nämlich beispielsweise, wie die Regierung sich verweigert das Bildungssystem zu verändern, bzw. konsequent die Rechte der sozial schwächeren missachtet und verfolgt dabei drei Schüler über ein paar Jahre hinweg. All diese Schüler haben durch ihr Engagement für ihre eigenen Rechte teilweise schwere polizeiliche Gewalt erfahren. Leider findet das Ganze in den Jahren 2015 bis 2018 statt und es scheint auch heute, im März 2019, keine wirkliche Aussicht auf Besserung zu geben.
Der einzige Ort, an dem man nur Einlass mit einer Karte bekommt ist der Berlinale Palast, der wohl bekannteste Ort der Berlinale, hier sind immer ganz viele Kameras und einmal musste ich dort natürlich auch einen Film sehen. „La paranza dei bambini“, ein italienischer Film, der von einer jugendlichen Straßenbande handelt. Beeindruckt haben mich aber auch Filme wie „Skin“ oder „Kleine Germanen“. Beide handeln in gewisser Wieder vom Ausstieg aus der rechten Szene. Während „Kleine Germanen“ eher erzählerisch und dokumentarisch animiert ist, zeigt „Skin“ mit brutalen Bildern wie schonungslos diese Szene ist.
Es ist natürlich etwas anderes Filme auf der Berlinale zu sehen, als im normalen Kino. Es gibt bestimmte Verhaltensweisen, die viele gar nicht kennen. Zum Beispiel ist es dort, wie in kleineren Kinos auch, verbreitet den Film und sein Team mit einem Applaus zu würdigen, zudem gehört es sich auch den Abspann zu Ende zu sehen. Grundsätzlich gehören der Abspann und sein Applaus dort genauso dazu wie das Verbeugen der Schauspieler im Theater.
Ich habe aber nicht nur viele gute Filme sehen dürfen, sondern hatte auch sehr gute Gespräche mit vielen verschiedenen Menschen, darunter auch Regisseure, Produzenten, Schauspieler und anderen Besuchern. Mit Fremden ist dort auch sehr leicht ins Gespräch zu kommen, es gibt einfach den Kontext des Films, es ist eher unwahrscheinlich dort auf einen Menschen zu treffen, der nichts mit Filmen zu tun hat oder zumindest kein Interesse an dem Thema hat. So kam es dann auch mal vor, dass ich mich auf einmal mit einem Animationsregisseur aus Brasilien unterhalten habe und wir spekuliert haben, ob wir noch in den folgenden Film kommen. Weil viele der anwesenden Gäste kein Deutsch sprechen und alle Filme in original-Vertonung laufen, also nur englisch untertitelt sind, verläuft dementsprechend auch ein Großteil der Kommunikation auf Englisch. Außerdem hatte ich bei vielen Screenings das Glück, dass auch ein Teil des Teams des Films anwesend sein konnte und so ist es auch immer noch einmal etwas ganz anderes, wenn man nach dem Film noch ins Gespräch kommen kann.
Insgesamt kann ich also sagen, dass ich sehr beeindruckende Tage hat. Zwar musste ich auch viel warten, viel mit Bussen und Bahnen fahren und mich zu Anfang überhaupt erst zurechtfinden, aber es hat sich für mich sehr gelohnt: Ich hatte sehr viel Spaß und bin sehr dankbar dafür, dass mir diese Gelegenheit ermöglicht wurde.