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Ex-Junkie verstört Publikum bewusst

Ja, er hat seinen Vater vermisst. Liebevoll sei der gewesen, aber schwerer Alkoholiker: „Hat sich behindert gesoffen, kam morgens besoffen aus dem Schlafzimmer und musste in die Spüle kotzen, dass die Fäden in die Cornflakes spritzten. So musste ich zur Schule. Jeden Tag.“ Dominik Forster, Ex-Junkie, Ex-Dealer, Ex-Knackie, Autor und Freund klarer Worte steht nicht zum ersten Mal vor einer großen Schülergruppe. Seit er seine Drogensucht hinter sich gelassen hat, widmet er sich der Aufklärung und Prävention. Zwei autobiografische Bücher hat er inzwischen veröffentlicht. Rund 300 Schülerinnen und Schüler der neunten bis elften Klasse haben sich nun in der Aula versammelt.
Viel erzählt er von seiner Kindheit. Von Menschen, Freunden, Verwandten, „die heute alle tot oder behindert“ seien. Davon, dass er, um seine Mutter zu schützen, mit zehn Jahren entschied, fortan alle Probleme alleine zu lösen. Und davon, wie dies natürlich nicht gelingen konnte.
Die Sprache ist schonungslos wie die Sucht. Offen und ehrlich, wenn man es freundlich umschreibt. Schule und der Verein „Melle vernetzt e.V.“, der die ungewöhnliche Veranstaltung finanziell erst möglich machte, wollten hier ganz bewusst neue Wege in Sachen Suchtprävention gehen. Die Idee hierzu kam auf durch ein Gespräch zwischen Schulleiterin Kerstin Lemke mit Birute Rosemann, Vorsitzende des Vereins „Melle vernetzt e.V.“.
Und so ist der tätowierte Forster da oben auf dem Podium nun gerade Bestandteil der „umfangreichen Maßnahmen im Bereich der Präventionsarbeit an der IGS“, wie Lemke und Rosemann betonen. So ermöglicht Melle Vernetzt beispielsweise in den unteren Jahrgängen Internet-Präventionsmaßnahmen und auch die heutige Maßnahme soll gleichzeitig Auftakt weiter ähnlicher Veranstaltungen sein.
„Drogenmissbrauch ist ein Thema, dem sich heute keine weiterführende Schule mehr verschließen kann“, sagt sie.
„Ein Mensch wie Forster erreicht Schüler auf eine ganz andere Art als wir es mit den vielen anderen Projekten tun“, weiß Natascha Maidorn, Schulsozialarbeiterin. Auch ihr Kollege Julian Neumayr stimmt dem zu. „Sowohl vor als auch nach der Veranstaltung stehen wir gemeinsam mit Sozialarbeitern der Caritas und Diakonie für Gespräche mit den Schülern bereit“, sagt er und hofft, dass die drastischen Schilderungen ihre abschreckende Wirkung nicht verfehlen.
Denn letztlich gilt, was Forster immer wieder deutlich sagt: „Ob Alkohol, Joints, Crystal oder andere harte Drogen – vielleicht macht die Party Spaß, aber sicher ist, dass es irgendwann böse enden wird. Die Frage ist nur wann.“ Und daher sei das Beste, gar nicht erst in den Suchtkreislauf hinein zu kommen.